Im Gespräch mit Frau Sabine Geck, Geschäftsführerin des Caritasverbands Chemnitz und Umgebung e.V.

Die Caritas Chemnitz existiert bereits seit 1916 und betreibt heute in der Stadt über 30 verschiedene Dienste und Einrichtungen, von der Kita bis zur Familientherapie, vom Betreuten Wohnen bis zur Tagespflege. Auch verschiedene Beratungsangebote für Migrant:innen oder Menschen in einer herausfordernden Lebenslage bietet das Team um Geschäftsführerin Sabine Geck. Sie und der ehrenamtliche Vorstand tragen die Verantwortung für 190 hauptberuflich Tätige und über 250 Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren.

Frau Geck, im Rahmen der KAFASAX-Befragung kam zutage, dass Sie Ihren Arbeitnehmer:innen bereits einiges bieten. Was sind Ihre „Highlights“ für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Viele unserer Dienste und Einrichtungen sind auf ein Schichtsystem angewiesen, sodass die Vereinbarkeit nicht immer gelingt. Zum Ausgleich bieten wir beispielsweise längere Erziehungszeiten, Freistellungen oder Arbeitszeitreduzierung bei Bedarf. Wir geben unseren Kolleg:innen zudem eine Wiedereinstiegsgarantie, auch bei längeren Elternauszeiten. Auf Wunsch ermöglichen wir auch Langzeitarbeitskonten, sodass bspw. Arbeitszeit für Altersteilzeit oder ein Sabbatical angespart werden kann. Aber natürlich bieten wir auch eine betriebliche Altersvorsorge und unsere Mitarbeiter:innen erhalten bevorzugt Kitaplätze.

Im Zusammenhang mit der Ablehnung eines bundeseinheitlichen Tarifs in der Pflege argumentieren Sie, dass Ihre Ansprüche einfach viel höher wären. Hat eine ordentliche Bezahlung nicht auch einen Einfluss auf die Vereinbarkeit von Job und Familie?

Ja, natürlich. Wir bezahlen ein gutes Gehalt, damit sich die Mitarbeiter:innen es auch leisten können, bei Bedarf ihre Stunden zu reduzieren. Aber es sind noch andere Faktoren wichtig, bspw. die Kündigungsfristen, die bei uns mit der Betriebszugehörigkeit steigen. Das gibt den Menschen die Sicherheit, nicht aufs Abstellgleis zu kommen. Wir sind stolz auf die lange Betriebszugehörigkeit unserer Kolleg:innen und die geringe Fluktuation.

Sie haben sich am Projekt KaFaSax beteiligt. Was war der Grund für Ihre Teilnahme? Welche Intentionen hatten Sie? Wie sah die Teilnahme konkret aus?

Wir wurden durch die CWE darauf aufmerksam gemacht. Zu dem Zeitpunkt war „Fachkräfte finden“ ein großes Thema. Viele andere Arbeitgeber:innen werben mit ihrer Familienfreundlichkeit, wir halten uns da eher zurück. KaFaSax war daher ein willkommenes Angebot, um ein realistisches Bild unseres Angebots zu bekommen, denn an die Leitungsebene wird ja zumeist nur das herangetragen, was nicht funktioniert. Die Befragung unserer Mitarbeiter:innen war deshalb sehr wertvoll und die Kooperation mit der TU Chemnitz komfortabel, da wir uns selbst so etwas hätten nicht leisten können. Über 50 Prozent unserer Kolleg:innen haben teilgenommen und bescheinigt, dass sie mit unserem Angebot und dem Arbeitsumfeld sehr zufrieden sind. Vielen Mitarbeiter:innen ist gar nicht bewusst, was wir alles bieten. Diese Kommunikation ist uns in Zukunft wichtiger. Corona bremst uns da aktuell aber noch aus.

Halten Sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für ein Zukunftsthema, bspw. im Recruiting bzw. der Mitarbeiterbindung?

Als katholische Einrichtung ist die Familie für uns ein zentrales Thema und ein absolut zukunftsfähiges Modell. Ohne Familie gibt es keine Kinder und ohne Kinder keine Perspektive. Eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie bedeutet daher ganz konkret Entspannung und Entlastung für die Kolleg:innen, was die Stimmung hebt und Arbeitsqualität steigert. Das hat auch einen positiven Einfluss auf die Krankenbelastung und sorgt dafür, dass Mitarbeiter:innen länger im Unternehmen bleiben. So werden die Teams gestärkt und es entsteht weniger Aufwand im Personalwesen, bspw. für die Neufindung von Personal.

Die Pflege von Angehörigen ist in unserer arbeitsteiligen Welt der eigenen Erwerbsarbeit oft im Wege. Welche Auswege sehen Sie hier?

Das ist in der Tat ein sehr großes Problem, das wir nicht nur bei unseren Mitarbeiter:innen bemerken. Modelle wie das Betreute Wohnen sollten stärker in den Fokus rücken, denn sie ermöglichen es auch älteren Menschen, selbstständig zu leben und dennoch Hilfe zu bekommen, wenn nötig. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sehe ich hier Innovationsbedarf, ältere Menschen sollten nicht immer gleich „ins Heim“. Eine Mischform ist sozialverträglicher und auch erheblich kostengünstiger. Die Arbeitnehmer:innen müssen zudem noch stärker auf ihre eigenen Bedürfnisse sensibilisiert werden. Sich Auszeiten zu nehmen ist wichtig und auch Altersteilzeit ist eine gute Lösung, um noch möglichst lang aktiv zu bleiben.

Foto mit freundlicher Genehmigung der Caritas Chemnitz

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